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Geschichtliches zum Neubau der Kirche

„Im Jahre 1890/91 baute Merchweiler, damals noch Filiale der Pfarrei Illingen, in eigener Initiative und mit großer Opferbereitschaft das erste Gotteshaus. Es klingt uns heute (1960, Anm. d. Red.) unwahrscheinlich und für heutige Verhältnisse unmöglich, dass die auf über 2000 Gläubige angewachsene Filiale bis dahin keinerlei Gottesdienstraum hatte. So war es verständlich, dass die Filiale nach eigenem Gotteshaus und Seelsorger verlangte und schließlich mit bewundernswertem Mut ohne Unterstützung der Mutterpfarrei Illingen zum Bau einer Kirche schritt. Die Schwierigkeiten der Finanzierung zwangen indessen zu einfachster Bauweise und räumlicher Beschränkung und veranlassten, zum Bau der Kirche trotz Abratens der Baubehörden heimisches salpeterhaltiges Steinmaterial zu verwenden.

Diese Umstände wirkten sich mit der Zeit immer nachteiliger aus. Die Pfarrgemeinde wuchs bis auf 6000 Gläubige an, so dass die räumliche Beengung immer drückender wurde. Das salpeterhaltige Gestein ließ das Mauerwerk mehr und mehr schadhaft werden, so dass jede Renovierung an Verputz und Anstrich nur für kurze Zeit der Kirche ein würdiges Aussehen gab. Auch der fast unerträgliche Mangel an geeigneter Sakristei und an Nebenräumen sowie große Schäden am Dach drängten schon seit längerer Zeit zu umfangreicher und gründlicher Abhilfe. Sie stellten den Kirchenvorstand und die Pfarrgemeinde vor die Entscheidung: Eine Erweiterung mit vollständiger Renovierung oder einen Neubau vorzunehmen. Nach reiflicher Überlegung entschied sich der Kirchenvorstand in Übereinstimmung mit der Bischöflichen Behörde im Jahre 1956 für den Neubau.

Im Juli 1956 setzte darauf hin die erste Sammlung für das große Werk ein, die dann bis jetzt (1960, Anm. d. Red.) monatlich durch die freiwilligen Helfer des Kirchenvorstandes und des Vorstandes des Kath. Müttervereins mit einer wahrhaft beispielhaften Hingabe und Bereitschaft durchgeführt wurde. Ihnen gebührt vor allem der Dank der Pfarrei, und ihr freudiger, hingebungsvoller Einsatz verdient als Zeugnis wahrer Opferbereitschaft und treuen Glaubensgeistes auch hier festgehalten zu werden. Das Ergebnis dieser Sammlungen von monatlich ca. 1.000.000 Fr. – und nach der Währungsumstellung 9500,-- DM – offenbarte den Willen und die Bereitschaft der Pfarrei, dem Herrn ein würdiges Haus zu erbauen, und schuf die Voraussetzung, das erhabene Werk in Angriff zu nehmen. Die Pfarrei hat damit Gott dem Herrn nicht nur ein neues Haus, sondern auch ein sichtbares Denkmal ihres Glaubensgeistes errichtet und sich selbst ein Denkmal von Opfergeist, der späteren Zeit der Nacheiferung.

Am. 16. August 1958 setzten um die alte Kirche die Ausschachtungsarbeiten zum Fundament der neuen Kirche ein. Ende Oktober begann der Abbruch des Turmhelmes der alten Kirche, der nach Unterbrechung durch einsetzenden Frost erst Ende Januar 1959 zu Ende geführt werden konnte.

Da, wie die vorausgehenden Ausführungen andeuten, die neue Kirche auf dem Platz der alten errichtet werden sollte, musste für die Übergangszeit eine Gottesdienstraum gefunden werden. Als beste und einfachste Lösung bot sich der Bau einer Notkirche an. Sie wurde im März 1959 in fünf Wochen von der Firma Bost-Schiel erstellt und stand am 4. April 1959 zur Aufnahme des Kirchenmobiliars bereit. Am 5. April, am Weißen Sonntag, feierte die Pfarrgemeinde den letzten Sonntag in der alten Kirche, und am 7. April wurde die letzte hl. Messe in ihr gehalten.

Schon am 6. April begann die Ausräumung und Übertragung des Mobiliars in die Notkirche. Mit aufopferndem Einsatz freiwilliger Helfer wurden Altar und Beichtstühle, Fußboden und Sakristeieinrichtung in wenigen Tagen in der Notkirche wieder so eingerichtet, dass bereits am Freitag, dem 10. April, die erste hl. Messe dort gefeiert werden konnte. Für die schnelle Vollendung der Notkirche gebührt neben der Firma Bost-Schiel der Firma Monti für den selbstlosen Einsatz der Planiermaschine besonderer Dank.

Durch das Technische Hilfswerk in Neunkirchen wurden am 11. April in anerkennenswerter Weise die Glocken abgenommen. Am Montag, dem 20. April, begann nach sorgfältigen Vorbereitungen der Abbruch der alten Kirche. Durch Sprengung des Mauerwerkes wurden zuerst Chor und Kirchenschiff niedergerissen. Eine Schar treuer Helfer sorgte mit unermüdlichem Fleiß und staunenswerter Tatbereitschaft für die Wegräumung des Schuttberges aus Gestein, Holz und Eisen. Das schwierigste Stück Arbeit war der Abbruch des Turmes. Nach umsichtiger Vorbereitung und verantwortungsvollem Einsatz aller beteiligten Kräfte gelang auch diese Arbeit, ohne dass irgendein Schaden verursacht wurde.

Am Pfingstsamstag, am 16. Mai, nachmittags 13.00 Uhr, waren Abbruch und Räumung vollendet und der Bauplatz zu ungestörtem Aufbau der neuen Kirche bereitet. Über 600 Lastwagen Schutt und Geröll waren aufgeräumt und abtransportiert worden, dazu große Mengen von Holz und Eisen. In kaum vier Wochen wurde diese schwierige Arbeit von freiwilligen Helfern durchgeführt. Diese Tat verdient in der Geschichte der Pfarrei festgehalten zu werden; und den treuen Helfern gebührt höchste Anerkennung und Dank, weil sie nicht nur der Pfarrei eine beträchtliche Summe erspart, sondern auch ein Zeugnis selbstlosen Einsatzes im Dienste der Kirche und Pfarrei gaben. Neben ihnen verdient auch die mitwirkende Firma Mees und die verantwortungsvolle und sorgfältige Arbeit des Sprengmeisters, H. Meiser aus Wustweiler sowie wiederum die Fa. Monti große Anerkennung.

Nun konnte Fa. Schales-Steinfeld (aus St. Ingbert, unter Leitung des Architekten Rupprecht Walz aus Merchweiler, Anm. d. Red.) den Aufbau der neuen Kirche forcieren. Unter der tatkräftigen Leitung und Sorgfalt von Herrn Stolz, dem Oberpolier, und der Mitwirkung seiner tüchtigen Mitarbeiter wuchsen bald Binder und Mauern auf. So konnte am 26. Juli 1959 die feierliche Grundsteinlegung und Segnung der Fundamente durch den Hochw. Herrn Prälaten Dr. Lenz im Auftrage der bischöflichen Behörde vorgenommen werden. Bei Jahresende war der Rohbau fast vollendet. Nach einiger Unterbrechung wurde mit einsetzender milder Witterung im März 1960 die Arbeit wieder aufgenommen. Am 14. März 1960 kündete der Richtstrauß von der Vollendung des Rohbaus. In einer kleinen schlichten Feier wurde dieses Ereignis als weiterer Markstein auf dem Wege zur Kirchenweihe begangen“.